23.10.2026
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Telematikinfrastruktur

  • CCC fordert Ende der ePA-Experimente am lebenden Bürger

    Sicherheitsmängel begleiten die elektronische Patientenakte (ePA) seit ihrer Einführung im Jahr 2020. Mit der Umstellung von Opt-In auf Opt-Out kommt nun die Patientenakte „für alle“: Gesundheitsdaten von über 70 Millionen Versicherten werden ohne deren Zutun über Praxis- und Krankenhausgrenzen hinweg in einer zentralen Datenbank zusammengeführt. Doch auch die „ePA für alle“ kann ihre Sicherheitsversprechen nicht halten. Beim 38C3 wird demonstriert, wie unberechtigte Personen mit wenig Aufwand massenhaften Zugang zur ePA für alle erlangen können.

    Der Chaos Computer Club (CCC) begleitet die Lösungen aus dem Hause Gematik seit Jahren mit einer morbiden Faszination. Von geplanter Obsoleszenz bei den Konnektoren [1] über das Ident-Verfahren [2] bis zu dem von Anfang an bescheinigten bedenklichen Kosten-Nutzen-Verhältnis [3] waren die Projekte um die ePA von Turbulenzen begleitet.

    Eine erneute Analyse des aktuellen Stands [4] ergab nun wieder Bedenkliches:

    Sicherheitsforscher zeigen unter anderem, wie sie sich mit wenig Aufwand und zum wiederholten Male gültige Heilberufs- und Praxisausweise sowie Gesundheitskarten Dritter beschaffen und damit auf Gesundheitsdaten zugreifen konnten. Ursächlich sind erneut Mängel in den Ausgabeprozessen, den Beantragungsportalen sowie im real existierenden Umgang mit den Karten im Feld. Diese wurden bereits auf dem 36C3 [5] demonstriert.

    Zudem demonstrieren die Forscher, wie Mängel in der Spezifikation es ermöglichen, Zugriffstoken für Akten beliebiger Versicherter zu erstellen. Dies ist möglich, ohne dass die Gesundheitskarten präsentiert oder eingelesen werden müssen. Damit hätten Kriminelle auf einen Schlag Zugriff auf mehr als 70 Millionen Akten.

    LINK zum Beitrag des CCC

    Und damit nicht genug, Das Zentrale Vertrauen der Telematikinfrastruktur beruht auf den SMC-B (Praxisausweisen), eHBA (Arztausweisen) LINK
    Diese werden unter anderem von der Bundesdruckerei ausgestellt. Deren Sicherheit wurde nun vor kurzem auf eine leichte Probe gestellt, und ist glatt durchgefallen.

    LINK

  • Montagmorgen in deutschen Praxen und Apotheken

    Seit Montag, dem 12. Oktober, haben viele Arztpraxen, Apotheken und Kliniken in Deutschland Probleme, die Telematikinfrastruktur zu erreichen, das nationale Gesundheitsnetz, und die Gematik meldet Störungen bei Anbietern, deren Konnektoren von Secunet oder RISE stammen.
    Ausfälle oder Teilausfälle gibt es beim Versichertenstammdaten-Abgleich (VSDM), beim sicheren Nachrichtendienst (KIM), bei E-Rezepten, bei der elektronischen Patientenakte und bei elektronischen Krankschreibungen.
    Mit anderen Worten, nichts geht mehr.

    Konnektoren von CGM sind laut Gematik nicht betroffen, weil die CGM das Sicherheitsfeature (DNSSEC) nicht nutzt. Ursache ist der planmäßige Wechsel des DNS-Root-Schlüssels.

    Der neue DNS-Root-Schlüssel war schon vor 21 Monaten öffentlich, doch Secunet- und RISE-Konnektoren verwenden noch den alten. Und ohne den neuen können keine neuen Tunnel ins deutsche Gesundheitsnetz aufgebaut werden.
    Und das passiert nicht zum ersten Mal.
    Ende Mai 2020 konnten rund 80.000 von etwa 130.000 angeschlossenen Praxen und Kliniken einige Dienste des Gesundheitsnetzes nicht erreichen, und die betroffenen Konnektoren stammten von T-Systems, RISE und Secunet.
    Und Mitte Juni 2020 war der Stammdatenabgleich bei mehr als 40.000 Praxen immer noch gestört, und die Behebung brauchte Updates vor Ort durch Dienstleister.
    Ursache damals war ein im Mai 2020 planmäßig neu gesetzter DNS-Root-Schlüssel.

    Das seit heute zu Verfügung stehende Update für Secunet Konnektoren scheint unserem Kenntnisstand nach dieses Problem auch nicht zu lösen.
    Hier hilft dann nur das manuelle austauschen des Schlüssels.
    Für RISE Konnektoren gibt es Stand heute noch keinerlei Lösung.

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